Sarturia.com Buchinhalt Vorschau


Aus dem Buch: Liebe Tod und Tofu - Margot Jung
 
Kapitel 1

Seit auf den Tag genau vor zehn Jahren, vier Monaten und einem Tag mied Francesca Carlotti italienische Männer wie Graf Dracula den Knoblauch. Auch Monegassen, Isländer oder Hawaiianer hatten lange Zeit keine Chance mehr gehabt, in ihr Herz aufgenommen zu werden. Genauso wie alle anderen Nationalitäten. Es sei denn, sie waren ihr eigenes Fleisch und Blut, wie ihr Sohn Cosimo. Oder sie gaben ihr gut zu essen, wie es der Sepp gerade tat. Aber auch dann nur auf eine platonische Art und Weise. Selbstgekästen Wilden Bernd hatte der Sepp ihr auf einem Holzbrettl serviert, und Francesca spürte immer noch dem feinwürzigen Aroma des milden Käses an ihrem Gaumen nach.
?Gibst mir ein Stück mit von deinem Berndl, gell, Sepp??, fragte die Köchin und dachte dabei an den Kochkurs, den sie zu Beginn der neuen Woche im nahe gelegenen Alpenhotel abhalten würde. Wenn sie mit solch einem regionalen Leckerbissen startete, ihn vielleicht in ein cremiges Risotto einbaute, dann hätte sie ihre Kochschüler gewiss schnell auf ihrer Seite.
?Scho recht, Madl. Aber ich lass dich erschtt gehen, wenn du noch von meinem Lardo probiert hascht?, beschloss der runzelgesichtige Senner Sepp, den Francesca heute in seinem kleinen Einödhof im Tal besuchte - der Almabtrieb lag schon einige Wochen zurück. Sepp stemmte sich von seiner Eckbank hoch und schlurfte hinaus in seine Vorratskammer.
Francesca schmunzelte. Der Sepp. Wie lange sie für ihn noch das Madl blieb? Mit Mitte 40 nannte kaum noch jemand die Fernsehköchin ein ?Mädchen?. Schade, dass sie nicht mehr so häufig wie früher zu ihrem I.ieblingskäser kommen konnte. Aber der Umzug nach Hamburg vor einigen Monaten hatte definitiv auch seine guten Seiten. Bei dem Gedanken fuhr sie sich durch ihr langes kastanienbraunes Haar. Dann kramte sie in ihrer regenbogenbunten Handtasche nach ihrem Smartphone. Schnell! Sie wollte nicht, dass der Sepp beleidigt war, wenn er merkte, dass sich Francesca heute mehr für ihre Nachrichten als für seine Köstlichkeiten interessierte. Sie wischte über ihr Display und checkte die eingetroffenen E-Mails. Dabei verbarg sie ihr Telefon unter dem kantigen Holztisch, so wie sie früher die Spickzettel vor ihren Lehrern unter dem Schülerpult versteckt hatte.
Drei neue Nachrichten. Ein großer Versandhandel bot ihr sämtliche Alben einer Boygroup, eine neue Ingwerreibe sowie eine Tube Gleitgel zum Kauf an. (Was bestellte sich Cosimo da immer auf ihre Kosten, dass ihr solch ein Warenportfolio zugetraut wurde?) Eine Nadja begrüßte sie als ,Hallo mein stranger Man?. Die beiden E-Mails löschte Francesca sofort, nur nicht die Nachricht von Udo aus ihrem Cateringteam, der sie darüber informierte, dass ein großer Auftrag zum nächstjährigen Hamburger Hafengeburtstag eingegangen war.
Doch das interessierte sie gerade überhaupt nicht.
Francesca hörte bereits Sepps schwere Schritte, die seine baldige Rückkehr in die gemütliche Stube ankündigten. Sie scrollte noch einmal zurück auf die letzte Nachricht vom vergangenen Tag:

?Für morgen Nachmittag alles okay. Melde mich gegen 1100 noch mal. Bis dann?.?

Sepps Pranke drückte schon die quietschende Klinke herunter, da schaltete Francesca hektisch das Smartphone ab und pfefferte es zurück in ihre offen stehende Tasche.
?Na, Madl. Was schaust denn so enttäuscht? Schmeckt der Kas sauer oder druckt dich was anderes??
?Sepp, warum kennst du dich so gut mit Menschen aus, wenn du doch dein Lebtag jeden Sommer da oben allein auf der Alm hockst??
Ohne etwas zu erwidern, zog der Alte ein Holzbrett aus einer Schublade unter dem Esstisch hervor, legte ein dickes Stück eines glänzenden grünen Specks darauf und klappte sein Taschenmesser heraus, dessen Klinge er an einem sauberen Stofftaschentuch abwischte. ?Den hab ich selbscht eingesalzen?, murmelte er und entfernte die Rinde. Dann schnitt er kleine Speckrechtecke zurecht und schob das Holzbrettl in Francescas Richtung. Danach erhob er sich schwer und holte noch zwei Schnapsgläser sowie einen Steinkrug mit Korkverschluss aus der alten Bauernkommode an der gegenüberliegenden Wand.
?Da, Madl. Iss und trink.? Er füllte die hochprozentige Flüssigkeit in die beiden Stamperl ?Is gut gegen alles, zum Schluss sogar gegen Herzschmerz?, philosophierte der runzelige Alte.
?Danke.? Francesca hob ihr Glas und prostete dem Senner zu. Draußen am Stubenfenster rannen die Regentropfen an der Glasscheibe herab, und Francesca dachte über das Leben und den Verfasser der gestrigen Botschaft nach.

Als Francesca zurück auf die Autobahn fuhr, prasselte immer mehr Regen auf das blaue Faltdach ihres nagelneuen Fiat 500 herunter. Zum Wetter passend, ähnelte der Wagen im Design einer klassischen italienischen Holz-jacht aus den 50ern. Weiße Ledersitze, Mahagoni-Armaturenbrett und der Schaltknauf aus Tropenholz. Francesca fühlte sich fast so, als würde sie ihr neues Gefährt über den Lago Maggiore steuern. Doch leider fehlte die Sonne, und dem Fiat mangelte es an Motorkraft verglichen mit einer schicken Holzjacht.
So mühte sich der schnuckelige Italiener hörbar ab und kämpfte sich samt seiner stolzen Besitzerin auf der linken Spur den Irschenberg hinauf.
Die Rillen der ausgefahrenen A8 führten bereits ordentlich Staunässe, so dass das kleine Gefährt gelegentlich gefährlich hin und her schlingerte.
Trotz der widrigen Straßenverhältnisse wischte Francesca mit der rechten Hand erneut auf ihrem Smartphone herum, während sie mit kurzen Blicken immer wieder das Verkehrsgeschehen vor ihrer Frontscheibe zu scannen versuchte.
Wieder nichts Neues. Abgesehen natürlich von dem großen Versandhandel, der ihr nun ihre eigenen drei Kochbücher zum Kauf vorschlug. Interessant. Aber auch wieder nicht. Die Rezepte darin konnte sie schließlich auswendig aufsagen, selbst wenn sie ein Irrer mitten in der Nacht geweckt hätte.
Francesca blickte auf die Uhr am Armaturenbrett. 14.03 Uhr zeigte das Display. Elf Uhr lag damit schon lange zurück. Warum meldete sich niemand?
Die Köchin fröstelte. Ihre nackten Füße steckten nur in einem Paar Flipflops. Und das dünne T-Shirt sowie die Jogginghose, die sie auf weiten Fahrten bevorzugte, ließen sie heute frieren.
Kurz überlegte Francesca, an der nächsten Raststätte auszusteigen und sich eine Jacke aus dem Kofferraum überzuwerfen, doch da schaltete der Wagen plötzlich das Radio aus und ein dröhnendes Telefonklingeln schreckte die Fernsehköchin aus ihren Gedanken. Francesca tastete auf ihrem Lederlenkrad herum, bis sie schließlich den passenden Knopf fand, um das Telefonat über den Autolautsprecher anzunehmen.
?Hallo, ich bin?s?, meldete sich eine vertraute Frauenstimme.
?Ciao Benita!?, grüßte Francesca ihre Freundin. Plötzlich blendete Francesca ein Lieht aus dem Rückspiegel. ?Hey, du Armleuchter!?
In der Telefonleitung knackte es. Benita war nun deutlicher zu verstehen. ?Wie bitte? Francesca, bist du das??
?Tut mir leid. Du bist nicht gemeint. Hinter mir steht gerade einer auf seiner Lichthupe. Aber weißt du was?, sagte sie zu ihrem Rückspiegel gewandt, ?dann fahr doch vorbei.?
?Bist du krank??, fragte Benita.
?Nein. Wieso??
?Na, so zuvorkommend im Straßenverkehr - das kenne ich sonst nicht von dir.?
Francesca kicherte und lenkte ihr nachtblaues Sommergefährt auf die mittlere Spur, um einen graumelierten Herrn in dessen dickem Benz vorbeiziehen zu lassen.
?Wo bist du??, fragte Benita.
.Auf der Autobahn. Ich habe vorher Cosimo bei seinem Freund in München abgeliefert, war schon beim Sepp auf Stippvisite und jetzt geht?s tiefer in Richtung bayerischer Berge.?
?Heute schon? Das Kochseminar beginnt doch eist am Montag.?
?Cosimo wollte unbedingt herkommen und ich mochte ihn nicht alleine mit dem Zug schicken. Außerdem hast du davon geschwärmt, dass das Hotel so klasse ist. Da habe ich nicht lange gezögert. Vielleicht mache ich ein bisschen Wellness. Oder ich starte mein Sportprogramm, wer weiß.?
?Du und Sport, das möchte ich sehen. Soll ich vorbeikommen??
?Ein andermal gerne, Benita. Aber heute kannst du es dir sparen. Das Wetter ist dermaßen mies, hätte ich das gewusst, wäre ich auch daheim geblieben. Ich komme dich einfach auf dem Rückweg besuchen, versprochen.?
?Aber du besichtigst keine neuen Immobilien, hörst du? Sonst komme ich doch, um dich vor der drohenden Insolvenz zu beschützen.?
Francesca grinste. ?Hast du Angst um mein Geld? Ich kaufe doch immer nur schöne Häuser. Und manchmal lade ich dich auch dahin ein.?
?Nur mit deinem neuen Alsterpalast hast du?s echt übertrieben, Mädel. So viele Kochbücher und TV-Shows kann selbst ich nicht an den deutschen Hobbykoch bringen, Francesca. Also, entspann dich dieses Wochenende. Und dann gilt wieder: Arbeit, Arbeit, Arbeit.?
?Mache ich, meine liebste Managerin. Gibt es noch etwas, das ich wegen des Kochseminars am Montag wissen sollte??
?Allerdings. Der Veranstalter bestand darauf, dass die vegane Küche besprochen wird. Deshalb hast du jetzt Verstärkung bekommen.?
Francesca stöhnte, besann sich dann aber wieder. ?Ist diese Verstärkung vielleicht ein knackiger junger Mann mit dunklen Ilaaren??
?Tut mir leid. Sie heißt Jacqueline. Ich habe dir eines ihrer Kochbücher ins Hotel geschickt, dann kannst du dich ein bisschen einlesen, oder hast du vor lauter Sport keine Zeit dazu??
?Wer weiß??
?Wo hast du Cosimo denn untergebracht??
?Der schläft bei einem Freund und zusammen gehen sie zu so einem Boy-Group-Konzert.?
?Na gut. Dann mal viel Spaß. Und mach keine Dummheiten.?
?Ich doch nicht. Jetzt muss ich die Zeit sowieso damit totschlagen, ein tierfreies Kochbuch zu studieren. Wir hören uns spätestens Montag wieder, Benita.?
?Ciao, Süße. Und vergiss nicht: Keine Immobilien in Süddeutschland!?
?Benita!? Francesca drückte den Telefonknopf am Lenkrad ihrer blauen Rennsemmel und presste mit ihren beflipflopten Eisklötzen, wie sich ihre Füße nun anfühlten, das Gaspedal ordentlich durch. Ein weißer Sportwagen hinter ihr setzte vergeblich den linken Blinker. Francesca kümmerte sieh nicht mehr darum. Stattdessen drehte sie das Autoradio ab und warf ihre Lieblings-CD ein. ?Azzurro!?, schmetterte Adriano Celentano in Pressluflhammerlautstärke aus den Boxen und Francesca sang voll Hingabe und schrecklich schief mit ihm im Duett.
Von Francesca unbemerkt vermeldete derweil die lispelnde Moderatorin im Radio eine Wetterwarnung für das Tal, in dem Francescas Wellnesshotel lag. Die Ankündigung von schwersten Unwettern und heftigen Niederschlägen sowie die Gefahr von Erdrutschen ließen in ihrem Zielhotel die Telefondrähte heißlaufen. Die Hoteldirektorin verfügte daraufhin, dass ihr auswärtiges Personal das Wochenende freinehmen sollte und sich in die Heimatdörfer begeben konnte.
Nur ein paar unerschrockene Gäste aus dem deutschen Norden und Italien würden eintreffen, und das sollte mit den wenigen Mitarbeitern aus dem Ort zu bewältigen sein.
Diesen Gästen abzusagen konnte sich Annemarie, die Hotelchefin, nicht leisten. Die Sommersaison war durch konstant schlechtes Wetter baden gegangen und der Neubau eines Restaurants für Ausflugsgäste verschlang ein viel höheres Budget als geplant. Jeder Euro zählte. Also schickte Annemarie ein Stoßgebet zum Himmel und eilte zum Telefon, das schon wieder schellte.

Kapitel 2

Das letzte Stück des Weges führte über eine schmale Bergstraße, erst steil hinauf, dann waghalsig und kurvig zurück nach unten in ein enges Tal, das sich für ein einziges Dorf auftat und von mächtigen Felswänden begrenzt wurde.
Francesca fuhr nun hochkonzentriert Der Regen hämmerte noch heftiger auf ihr Autodach, fast so, als ob es hageln würde. Doch kein Graupelschauer konnte dermaßen lange dauern. Wasserströme schossen an den unbefestigten Seitenrändern der brüchigen Teerstraße hinab und überfluteten Teile der Fahrbahn. Ein dunstiger Nebelschleier umhüllte die Landschaft, von der Francesca glaubte, dass sie sie an einem sonnigen Tag schnell in ihren Bann gezogen hätte. Irgendwo stand eine Kapelle am Wegesrand. Braune Kühe mit mächtigen Glocken um den Hals starrten traurig in den Regen. Hölzerne Schilder markierten, wo es zu den Wanderpfaden abging.
Schließlich erreichte Francesca das Dorf und verpasste beinahe die Einfahrt des Alpenhotels, so trüb war es. Schwungvoll riss sie das Lenkrad hemm und kurvte mit viel zu hoher Geschwindigkeit in die enge Einfahrt hinein, so dass der Kies und das Schmuddelwasser der Pfützen spritzten. Parkplätze außerhalb der Hotelgarage waren hier ein knappes Gut. Aber die Garage zeigte sich verschlossen und Francesca hatte keine Lust, durch den dichten Schauer, der sich gerade vom Himmel ergoss, zur Rezeption und noch einmal zurückzulaufen, nur um später im Trockenen zu parken. Schließlich fand Francesca eine schmale Lücke zwischen zwei mächtigen Holzstapeln, in welcher sie ihr kleines Fahrzeug unterbringen konnte. Beim Öffnen der Fahrertür stieß sie nach wenigen Zentimetern gegen die benachbarten Holzstämme. Da, wo sie eigentlich mit ihren Sommerschühchen aussteigen wollte, spannte sich ein riesiger Schmutzwassertümpel über den Parkplatz.
Gerade als sie versuchte, durch den engen Spalt zu ihren Rücksitzen zu klettern, um dort trockenen Fußes aussteigen zu können, erspähte Francesca einen anderen Wagen, der aus der geräumigen Parklücke direkt hinter ihrem Fiat herausfuhr. Also krabbelte sie auf ihren Fahrersitz zurück, zog den Gurt fest und startete erneut den Motor. Volle Pulle setzte sie zurück in die nun frei gewordene Lücke.
Aus den Augenwinkeln erkannte Francesca noch ein perlmuttfarbenes Objekt, das recht flott die Einfahrt hereinkurvte. Plötzlich krachte es, gefolgt von einem metallischen Schrammen - schlimmer als das schlimmste Kreide-Auftafel-Quietschen, das Francescas Gänsehaut je miterleben musste. Die Köchin wurde in ihrem Sitz nach vorne geschleudert und vom Gurt unsanft zurückgebremst. Dann war es still.
?Vollpfosten!?
Francesca riss die Fahrertür auf und schwang sich nach draußen. Der Platzregen verwandelte ihre sanften Locken binnen Sekunden in einen tropfenden Duschvorhang und die nackten Zehen bogen sich schützend nach oben, um dem eiskalten Pfützenwasser zu entkommen, in dem sie unfreiwillig badeten.
Hinter ihr stand ein blitzender Sportwagen der Marke Lamborghini, dessen linker Kotflügel sich asymmetrisch eingedellt an das verschobene Heck ihres blauen Flitzers schmiegte. Im Kontrast dazu glänzte das Gesicht des Lamborghini-Fahrers in knalligstem Rot. Der schälte sich fluchend aus seinem Auto und zog ob der Kälte die Schultern hoch.
?Porca miseria!?, schimpfte der graumelierte Herr. Tränen standen ihm in den Augen, als er über den Kotflügel seines metallenen Babys streichelte. Oder hatte er nur zu intensiv in den kalten Oktoberregen geschaut?
Nun kam er auf Francesca zu. Und sie auf ihn. Dank ihrer außergewöhnlich langen Beine begegnete sie dem Mann auf Augenhöhe. Und als beide schon zu Schimpftiraden ansetzen wollten, passierte etwas Unerwartetes.
?Stefano??
?Francesca! Was machst du hier? Ich wusste gar nicht, dass du auch kommst.?
?Ich? Warum, wohin soll ich denn kommen? Aber du, was machst du denn hier??
?Na, ich komme zur Feier. Du weißt schon.? Dann sah Stefano wieder auf sein Auto. ?Aber sag mal, kannst du denn nicht aufpassen? Sieh dir das an. Dieser Schaden. Das kann mir selbst Gianluca niemals zahlen, was du da kaputt gemacht hast.?
?Wieso soll Gianluca dir das zahlen? Ich komme für meine Schäden selber auf, aber natürlich nur, wenn ich schuld bin. Und das kannst du in diesem Fall vergessen?, sagte Francesca entschlossen. Mit Nachdruck schüttelte sie ihre Mähne, und die Tropfen stoben herum, als ob ein feuchter Hund sein Fell schüttelt.
?Wie? Du hast doch meine Perla gerammt?, empörte sich Stefano, dessen hellblaues Hemd mittlerweile nass an seiner Brust klebte, als ob er in einen Pool gefallen wäre.
?Perla? Hat dein Auto jetzt schon einen Namen??
?Hör auf, mich zu verspotten. Und überhaupt, wie willst du als Hausfrau einen solchen Schaden bezahlen??
?Hausfrau? Dass ich nicht lache. Ich habe meine eigene Kochshow hier in Deutschland.?
?Wenn du meinst. Aber ich rufe jetzt trotzdem Gianluca an.?
Francesca gab auf. Ihre gute Laune war ihr mehr wert, als sich jetzt mit Stefano, einem alten Freund ihres Ex-Mannes Gianluca, anzulegen. Und das bisschen Geld ?
?Warte, ich habe meine Versicherungsunterlagen im Kofferraum.? Francesca watete durch die Pfützen um ihr Auto herum. Sie musste ordentlich ziehen und drücken, um die verbeulte Heckklappe zu öffnen.
Francesca versank immer tiefer in ihrem Kofferraum. Als Erstes suchte sie nach Schuhen. Doch da waren keine Pumps in der Tasche, die sich im Kofferraum befand. Stattdessen kamen stinkende Sneakers zum Vorschein. Und bedruckte T-Shirts, sowie Armeehosen und eine Playstation. Cosimo hatte anscheinend die falsche Tasche mitgenommen, als er in München ausgestiegen war. Verdammt. Die Kälte an den nackten Sohlen schmerzte bereits so sehr, dass Francesca schließlich in die übergroßen Turnschuhe ihres Sohnes schlüpfte, um sich aufzuwärmen und endlich nach der Versicherungskarte suchen zu können.
Sie wühlte sich immer noch durch ihre Unterlagen, als ein dröhnender Auspuff das Heranfahren eines zweiten Sportwagens ankündigte.
?Ciao, Stefano. Hat es mit dem Einparken nicht geklappt??, fragte eine männliche Stimme schelmisch.
?Frag nicht. Wenn Frauen Auto fahren ?? Das war Stefanos Stimme, die sich nun vom Kofferraum entfernte. Francesca hörte Schritte auf dem Kies knirschen. Neugierig tauchte sie aus dem verbeulten Kofferraum hervor. Und erschrak.
Stefano stand nun am geöffneten Fenster eines gelben Ferrari und beugte sich zu dessen Fahrer hinunter.
Den Wagen fand Francesca geschmacklos. Und dann noch dieses schreiende Gelb. Aber der Fahrer ließ ihr den Atem stocken - oder besser gesagt, seine seidigen dunklen Locken, und dieses Lächeln. Beim Anblick seines Drei-Tage-Bartes strich sich Francesca unweigerlich mit der Hand über den Hals, dort, wo sich genau dieser Bart vor Jahren sanft an ihrer Haut gerieben hatte.
Als er die Hornbrille ins Haar zurückschob und den Blick auf seine blauen Augen freigab, presste Francesca allen Sauerstoff aus ihren Lungen. Ob er merkte, dass sie die Luft anhielt? Sie strich sich ihre nasse graue Jogginghose glatt ...

Hier endet die Vorschau!
Legen Sie sich deshalb das Buch gleich in den Warenkorb oder bestellen Sie es bei Amazon als Ebook für Ihren Kindl.
.